Die wichtigsten Fakten

  • Die Zahlen: Im Jahr 2024 produzierte Thailand fast 10 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle, davon waren 4 Millionen Tonnen noch genießbar – genug, um 3,8 Millionen bedürftige Menschen zu ernähren.
  • Der Mechanismus: Die NSTDA (สวทช.) hat den Food Surplus Credit geschaffen, ein System, das Lebensmittelspenden in überprüfbare Kohlenstoffgutschriften über das T-VER-Programm umwandelt.
  • Die Ausweitung: Das Projekt, Teil der Plattform Thailand's Food Bank in Zusammenarbeit mit der SOS-Stiftung, soll bis 2028 auf 30 Provinzen ausgeweitet werden, beginnend mit Chiang Mai, Lampang und Lamphun.

Die NSTDA, die thailändische Behörde für Wissenschaft und Technologie, hat einen Mechanismus entwickelt, der überschüssige Lebensmittel in handelbare Kohlenstoffgutschriften verwandelt. Unternehmen, die Lebensmittel spenden anstatt sie wegzuwerfen, erhalten zertifizierte Gutschriften, die zum Ausgleich eigener Emissionen oder zum Verkauf auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt genutzt werden können.



Thailand: Überschüssiges Essen wird zu Kohlenstoffgutschrift - Foto 1

Die Berechnung der vermiedenen Emissionen

Der Mechanismus basiert auf der Messung des Methans, das nicht freigesetzt wird, weil die Lebensmittel nicht auf der Deponie landen, wo der Zersetzungsprozess Treibhausgase erzeugt. Von diesem Wert werden die Emissionen abgezogen, die durch den Rettungsprozess selbst entstehen: Strom für die Kühlung, Kraftstoff für den Transport, Materialien für die Verpackung. Das Ergebnis ist eine Netto-Kohlenstoffgutschrift, zertifiziert nach dem T-VER-Programm (Thailand Voluntary Emission Reduction Program), das von der thailändischen Organisation für Treibhausgasmanagement verwaltet wird.



Thailand: Überschüssiges Essen wird zu Kohlenstoffgutschrift - Foto 2

Vier operative Säulen

Das System stützt sich auf vier eigenständige Elemente. Das Biotechnologie-Zentrum (BIOTEC) hat die Richtlinien zur Lebensmittelsicherheit für Spenden festgelegt. Das Zentrum für Elektronik und Informatik (NECTEC) hat eine digitale Plattform entwickelt, die Spender und Empfänger verbindet. Das T-VER-Programm übernimmt die Zertifizierung der Gutschriften. Eine vierte Säule betrifft die Steueranreize für spendende Unternehmen.

Territoriale Ausweitung und rechtliche Lücke

Nach der Pilotphase sind NSTDA-Teams in den nördlichen Provinzen Chiang Mai, Lampang und Lamphun aktiv, wo sie Hotels, Supermärkte und lokale Gemeinschaften in touristisch stark frequentierten Gebieten einbinden. Erklärtes Ziel ist es, das Modell bis 2028 auf 30 Provinzen auszuweiten. Thailand verfügt bislang über kein spezifisches Gesetz zur Lebensmittelspende: Die NSTDA treibt einen Gesetzentwurf voran, der einen Ausgleichsfonds und erweiterte Steuervergünstigungen vorsehen würde.



Thailand: Überschüssiges Essen wird zu Kohlenstoffgutschrift - Foto 3

Emissionsreduzierung und Net-Zero-Ziel

Das Projekt fügt sich in die nationale thailändische Strategie zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen ein. Die Reduzierung der Menge an Lebensmittelabfällen auf Deponien bedeutet eine direkte Verringerung der Methanemissionen, eines der klimaschädlichsten Treibhausgase. Die NSTDA strebt an, das Modell als Referenz für andere asiatische Länder zu exportieren, in denen Lebensmittelverschwendung und Ernährungsunsicherheit gleichzeitig bestehen.