Wichtigste Punkte
- Rekordleistung der Fenomeno: 1.080 PS Systemleistung aus einem Hybrid-Antrieb mit 6,5-Liter-V12 und drei Axialfluss-Elektromotoren, mit 0–100 km/h in 2,4 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von über 350 km/h.
- Revuelto SV 2027 in Entwicklung: Die Hardcore-Variante des V12-Flaggschiffs, derzeit auf dem Prüfstand in Imola, zielt auf eine Leistungsspanne zwischen 1.200 und 1.400 PS mit Rennsport-Aerodynamik.
- Markt bereits gesättigt: Die Fenomeno ist in ihrer Auflage von insgesamt 44 Exemplaren zu je rund 5 Millionen Euro bereits ausverkauft; die Revuelto SV wird auf 1.963 Einheiten limitiert sein – eine Hommage an das Gründungsjahr der Marke.
Sant'Agata hebt die Messlatte: die Fenomeno definiert den Begriff Hypercar neu
Es gibt Momente, in denen ein Hersteller aufhört, gegen andere zu konkurrieren, und beginnt, gegen sich selbst anzutreten. Lamborghini scheint genau diesen Punkt mit der Fenomeno erreicht zu haben, dem neuen Few-off-Flaggschiff, das von Stephan Winkelmann anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Lamborghini Centro Stile vorgestellt wurde. Es handelt sich nicht um ein Auto im kommerziellen Sinne: Es ist ein ingenieurtechnisches Manifest, verpackt in vierundvierzig Exemplare – neunundzwanzig Coupés und fünfzehn Roadster –, die alle vergeben waren, noch bevor die Scheinwerfer der jeweiligen Weltpremieren aufleuchteten. Der Markt in diesem Segment wartet nicht.

Das Herzstück der Fenomeno ist ein Plug-in-Hybridsystem extremer Konzeption. Der Verbrennungsmotor ist der legendäre 6,5-Liter-V12-Saugmotor, ein Aggregat, das Sant'Agata über Jahrzehnte verfeinert hat und hier 835 PS leistet. Hinzu kommen drei Axialfluss-Elektromotoren, die die Systemleistung auf 1.080 PS (795 kW) anheben. Das kinematische Ergebnis ist in seiner Richtung vorhersehbar, in seiner Brutalität weniger: Der Sprint von null auf hundert Stundenkilometer ist in 2,4 Sekunden abgeschlossen, während die Coupé-Variante eine Höchstgeschwindigkeit von über 350 km/h erreicht. Der Roadster, im Mai 2026 mit einem Tribut-Lackierung zu Ehren der historischen Miura enthüllt, akzeptiert einen aerodynamischen Kompromiss, der die Höchstgeschwindigkeit auf 340 km/h senkt – eine Zahl, die in jedem anderen Kontext als absolut unvernünftig gelten würde.
Strukturell setzt die Fenomeno auf ein Monocoque-Chassis aus Multi-Technologie-Carbonfaser, kombiniert mit einem Long-Tail-Karosserieprofil – eine Lösung, die die aerodynamische Effizienz bei hohen Geschwindigkeiten maximiert, ohne den Abtrieb zu opfern. Die Formensprache entspricht dem, was Lamborghini als Hyperdesign bezeichnet, aufgebaut um das Prinzip Feel like a pilot: eine Ergonomie, die den Fahrer in den Mittelpunkt der visuellen und funktionalen Architektur stellt – nicht als Luxuspassagier, sondern als aktiven Bediener eines Hochleistungssystems. Zu rund 5 Millionen Euro pro Exemplar ist die Fenomeno kein Auto, das man kauft: Es ist ein Asset, das man erwirbt – und der Elite-Sammlermarkt weiß das sehr wohl.

Revuelto SV 2027: die Rennstrecke ruft, Sant'Agata antwortet im Verborgenen
Wenn die Fenomeno die Feier ist, dann ist der Revuelto SV 2027 die Kriegserklärung. Lamborghini entwickelt in aller Stille eine radikal extremere Version seines aktuellen Flaggschiffs, mit dokumentierten Testfahrten auf dem Kurs in Imola und geschlossenen Vorschauen, die ausschließlich VIP-Kunden vorbehalten sind. Die Kommunikationsstrategie ist bewusst undurchsichtig: keine offizielle Ankündigung, keine Pressekonferenz – nur das methodische Voranschreiten eines Projekts, das durch Sichtungen und Branchengerüchte nach außen dringt.

Die Grundarchitektur bleibt der des 6,5-Liter-V12-Hybridantriebs des Standard-Revuelto, doch das geplante Upgrade ist alles andere als inkrementell. Die glaubwürdigsten Prognosen verorten die Gesamtleistung in einer Spanne zwischen 1.200 und 1.400 PS – ein quantitativer Sprung gegenüber den bereits beachtlichen 1.015 PS der Serienversion, der ein grundlegendes Überdenken jedes Fahrdynamiksystems erfordert. Die gesichteten Mule-Prototypen zeigen einen feststehenden Heckflügel aus Carbon von beeindruckenden Ausmaßen, einen vergrößerten Frontsplitter und einen vollständig neu gestalteten Diffusor: Geometrien, die unmissverständlich die Sprache maximierten Abtriebs sprechen – nicht die des Straßenkompromisses.
Die Überarbeitung beschränkt sich nicht auf die Karosserie. Das Chassis wird strukturell gezielt verstärkt, um den Belastungen eines auf Curbs ausgelegten Fahrwerks standzuhalten, mit versteiften Federbeinen und einer Abstimmung, die eher auf die Rennstrecke als auf das Grand Touring ausgerichtet ist. Ebenso entscheidend ist die Aktualisierung der Torque-Vectoring-Software an der Vorderachse: Bei einem Leistungszuwachs dieser Größenordnung und einem spürbar erhöhten Abtrieb wird die Drehmomentverwaltungselektronik zum Schiedsrichter zwischen Kontrolle und Chaos.
Die geplante Auflage von 1.963 Einheiten – eine Zahl, die kein Zufall ist und auf das Gründungsjahr der Marke verweist – positioniert den Revuelto SV in einer anderen Dimension als die Fenomeno: kein Sammlerstück, sondern ein Auto zum Fahren, zum Nutzen, zum Einsatz auf der Rennstrecke. Es ist wahrscheinlich eines der letzten Hochhubraum-V12-Statements, bevor europäische Regulierungsvorschriften diese Motorarchitektur auch für das Ultra-Premium-Segment wirtschaftlich untragbar machen. Lamborghini weiß das – und baut sein Erbe entsprechend auf. Die Auslieferungen des Revuelto SV werden ab 2027 erwartet, zu Preisen, die Gerüchten zufolge deutlich über dem des Basis-Revuelto liegen werden.
