Die wichtigsten Fakten
- Energierückgewinnung: Das Rechenzentrum PA10 von Equinix in Saint-Denis liefert ein nutzbares Wärmepotenzial von 6,6 Megawatt thermischer Leistung, bei einer geschätzten Jahresproduktion von 10.800 Megawattstunden.
- Technische Infrastruktur: Das System nutzt Plattenwärmetauscher mit je 3,3 Megawatt Leistung sowie drei Wärmepumpen in Seecontainern, die die Temperatur auf bis zu 65 Grad Celsius für die Einspeisung ins Netz anheben.
- Umweltauswirkung: Der Anteil erneuerbarer Energie im lokalen Fernwärmenetz stieg von 64 Prozent auf 75 Prozent, was eine geschätzte Einsparung von 1.800 Tonnen CO2 pro Jahr bedeutet.
Abwärme wird zur städtischen Ressource
Das Rechenzentrum PA10 von Equinix, das seit 2023 in Saint-Denis in Betrieb ist, erwärmt das Wasser des Olympischen Schwimmzentrums und deckt den Wärmebedarf von tausend Wohneinheiten im Stadtviertel ZAC Plaine Saulnier. Die Anlage wurde entwickelt, um die Abwärme aufzufangen, die durch den kontinuierlichen Serverbetrieb entsteht – in den Serverräumen können die Temperaturen dabei über 80 Grad Fahrenheit steigen.

Der Mechanismus der Wärmerückgewinnung
Die von den Racks erzeugte Warmluft tritt mit 28 Grad Celsius in das System ein und wird zu zwei Plattenwärmetauschern mit jeweils 3,3 Megawatt Leistung geleitet. Die erwärmte Flüssigkeit durchläuft anschließend drei Wärmepumpen, die in Seecontainern untergebracht sind und die Temperatur auf 65 Grad anheben – das erforderliche Niveau für die Einspeisung in das Fernwärmenetz, das vom Syndicat Mixte des Réseaux d'Énergie Calorifique (SMIREC) betrieben wird.
Die Wärme legt 90 Kilometer Rohrleitungen zurück, bevor sie das Olympische Schwimmzentrum erreicht – eine Anlage, die für die Spiele von Paris 2024 errichtet wurde und Wettbewerbe im Wasserspringen, Synchronschwimmen und Wasserball beherbergt. Dasselbe Netz versorgt auch Büros, Geschäfte und öffentliche Flächen des sich entwickelnden Viertels.
Die Daten zur Energierückgewinnung
Das nutzbare Wärmepotenzial der Anlage liegt bei 6,6 Megawatt thermischer Leistung, mit einer geschätzten Jahresproduktion von 10.800 Megawattstunden – genug, um den Heizbedarf von rund 1.500 Wohnungen zu decken. Vor der Einbindung des Rechenzentrums wurde das Fernwärmenetz der Zone Plaine Saulnier zu 64 Prozent aus erneuerbaren Quellen versorgt, vor allem Biomasse und Geothermie. Durch den Beitrag von Equinix stieg dieser Anteil auf 75 Prozent, mit einer geschätzten Einsparung von 1.800 Tonnen CO2 pro Jahr.

Die Partnerschaft und die Laufzeit der Vereinbarung
Das Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Equinix, Engie Solutions, dem SMIREC und der Métropole du Grand Paris. Equinix hat sich verpflichtet, die zurückgewonnene Wärme für einen Zeitraum von 15 Jahren, bis 2039, dem Fernwärmenetz zur Verfügung zu stellen und damit eine kontinuierliche Versorgung der öffentlichen Infrastruktur zu gewährleisten.
Der Kontext des Schwimmzentrums
Das Olympische Schwimmzentrum, das aus biobasierten Materialien errichtet wurde, verfügt auf dem Dach über eine Photovoltaikanlage mit 5.000 Quadratmetern – eine der größten ihrer Art im urbanen Raum Frankreichs. Die Einbindung der aus dem Rechenzentrum zurückgewonnenen Wärme ergänzt diese Ausstattung und vervollständigt ein zirkuläres Energiemanagementsystem für die Sportanlage.

Perspektiven auf nationaler Ebene
Nach Schätzungen der Ademe könnte das rückgewinnbare Abwärmepotenzial der Rechenzentren in Frankreich von 1 Terawattstunde im Jahr 2020 auf 3,5 Terawattstunden in den kommenden Jahren steigen – ein Volumen, das ausreichen würde, um rund 350.000 Wohnungen zu beheizen. Das wachsende Bedürfnis nach Rechenkapazität im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz macht den Umgang mit Abwärme zu einem Thema von zunehmender Bedeutung für Betreiber digitaler Infrastrukturen in Europa.
