Das Wichtigste in Kürze

  • Installierte Leistung: Der Offshore-Windpark He Dreiht, 110 km vor Helgoland, erreicht 960 Megawatt mit 64 Turbinen und einem Gesamtinvestitionsvolumen von 2,4 Milliarden Euro.
  • Eingesetzte Technologie: Turbinen des Typs Vestas V236-15MW mit Rotoren von 236 Metern Durchmesser, Monopile-Fundamente mit 1.350 Tonnen Gewicht, verankert in 40 Metern Wassertiefe.
  • Finanzierungsmodell: Das Projekt von EnBW erhält keine staatlichen Subventionen und finanziert sich über langfristige Abnahmeverträge mit Google, Amazon und BASF.

Erste Stromeinspeisung ins Netz

110 Kilometer westlich von Helgoland, in der Nordsee, hat der Offshore-Windpark He Dreiht im November 2025 mit der Einspeisung von Strom ins deutsche Netz begonnen – die erste von insgesamt 64 geplanten Turbinen ging ans Netz. Das von EnBW entwickelte Projekt, an dem ein Konsortium aus Allianz Capital Partners, AIP Management und Norges Bank Investment Management mit 49,9 % beteiligt ist, soll bis Sommer 2026 vollständig in Betrieb gehen. Die installierte Kapazität von 960 Megawatt ist so bemessen, dass sie den Jahresverbrauch von rund 1,1 Millionen Haushalten decken kann.



He Dreiht: Der 960-MW-Offshore-Windpark in der Nordsee - Foto 1

Die Dimensionen der Anlage

Die 64 installierten Turbinen sind vom Typ Vestas V236-15MW mit jeweils 15 Megawatt Leistung. Der Rotor hat einen Durchmesser von 236 Metern und überstreicht bei jeder Umdrehung eine Fläche von 43.742 Quadratmetern. Die Rotorblätter sind 115,5 Meter lang, die Nabenhöhe erreicht 142 Meter. Die Fundamente bestehen aus Stahl-Monopiles mit 70 Metern Länge und 1.350 Tonnen Gewicht, die mithilfe des Schwimmkrans Thialf in 40 Metern Wassertiefe in den Meeresboden gerammt wurden.

Ein Projekt ohne Subventionen

He Dreiht wurde 2017 im Rahmen einer Nullcent-Ausschreibung vergeben und erhält keine direkte staatliche Förderung. Die Produktion wird durch ein Netz langfristiger Stromabnahmeverträge (PPAs) abgesichert: Google für 100 MW, BASF für 186 MW, Amazon für 350 MW, sowie Covestro, die REWE Group und die Deutsche Bahn. Diese Vertragsstruktur stellt die gesamte Produktion außerhalb des Rahmens öffentlicher Förderungen.

Die Netzanbindung

Der erzeugte Strom wird zur Offshore-Plattform BorWin epsilon geleitet, die vom Netzbetreiber TenneT betrieben wird und dort von Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt wird. Der Transport erfolgt über ein 110 Kilometer langes Seekabel bis zur Küste, gefolgt von einer Landstrecke zur Konverterstation in Garrel bei Cloppenburg.



He Dreiht: Der 960-MW-Offshore-Windpark in der Nordsee - Foto 2

Der Stand der deutschen Offshore-Windkraft

Anfang 2026 verfügte Deutschland über rund 9,7 Gigawatt installierter Offshore-Windkapazität – gegenüber dem Regierungsziel von 30 GW bis 2030 und 70 GW bis 2045. Im Jahr 2025 wurden lediglich 0,5 GW zusätzlich ans Netz angeschlossen. He Dreiht ergänzt den 913-MW-Windpark Borkum Riffgrund 3 von Ørsted, der ebenfalls im Laufe des Jahres 2026 fertiggestellt wird. Bereits in Entwicklung befinden sich der Cluster Nordlicht von Vattenfall mit über 1,6 GW geplanter Leistung bis 2028 sowie der Nordseecluster von RWE mit 104 Turbinen à 15 MW, deren kommerzieller Betrieb zwischen 2027 und 2029 erwartet wird.

Schwachstellen im Ausschreibungssystem

Die deutsche Offshore-Wind-Ausschreibung vom August 2025 erhielt kein einziges Gebot – ein Warnsignal angesichts der Risiken durch verzögerte Netzanbindungen und den Wettbewerb zwischen Projekten. Die Regierung unter Friedrich Merz hat eine Reform des Ausschreibungsmechanismus eingeleitet und führt Contracts for Difference ein, um Investoren bei künftigen Ausschreibungen mehr Planungssicherheit zu bieten.



He Dreiht: Der 960-MW-Offshore-Windpark in der Nordsee - Foto 3

Peter Heydecker, Vorstandsmitglied von EnBW, bezeichnete den Produktionsstart als „einen bedeutenden Meilenstein" für den Konzern. Die vollständige Inbetriebnahme aller 64 Turbinen, die für den Sommer 2026 vorgesehen ist, bleibt die erste echte Bewährungsprobe dafür, ob das Ausbautempo der deutschen Offshore-Windkraft mit den für 2030 gesetzten Zielen Schritt halten kann.