Die wichtigsten Punkte
- Geschätzter Vorteil: zwischen 0,2 und 0,3 Sekunden pro Runde für die Mercedes-Antriebseinheiten, bis zu 17 Sekunden über ein Rennen mit 58 Runden.
- Technische Lücke: Materialien, die sich bei Hitze ausdehnen, ermöglichen die Einhaltung des Verdichtungsverhältnisses von 16:1 im kalten Zustand und dessen Überschreitung im warmen Betrieb.
- Eingriff der FIA: Ab dem 1. Juni 2026 werden auch Tests bei 130°C durchgeführt, ab 2027 erfolgt die Kontrolle ausschließlich im heißen Zustand.
Die Lücke im Artikel C.5.4.3
Das technische Reglement 2026 legt das maximale geometrische Verdichtungsverhältnis der neuen V6-Hybridmotoren auf 16:1 fest, gegenüber zuvor 18:1. Die Vorschrift sieht Kontrollen unter statischen Bedingungen bei Raumtemperatur vor. Aus den Erkenntnissen der Wintertests geht hervor, dass Mercedes wärmeempfindliche Materialien genutzt haben soll, um den Grenzwert im kalten Zustand einzuhalten und die Verdichtung – und damit die Leistung – bei Erreichen der Betriebstemperatur auf der Strecke zu erhöhen. Das deutsche Aggregat versorgt auch McLaren, Williams und Alpine.
Die Front der Kritiker
Ferrari, Audi und Honda haben einen gemeinsamen Brief an die FIA geschickt und sich dabei auf Artikel C.1.5 berufen, der die Konformität der Fahrzeuge "zu jedem Zeitpunkt während eines Wettbewerbs" vorschreibt. Toto Wolff wies die Vorwürfe zurück: „Das Aggregat ist legal. Es entspricht dem, wie die Vorschriften geschrieben sind, und wie die Kontrollen durchgeführt werden.“ Red Bull Powertrains, zunächst auf Linie mit Mercedes, änderte später seine Position – ein entscheidender Schritt, um die im Power Unit Advisory Committee erforderliche Mehrheit zu erreichen.
Der Kompromiss der FIA
Nach einem technischen Treffen im Januar und einem PUAC-Gipfel während der Testfahrten in Bahrain im Februar kündigte die FIA einen zweiphasigen Kompromiss an. Ab dem 1. Juni 2026, zwischen dem Großen Preis von Kanada und dem von Monaco, wird das Verdichtungsverhältnis auch bei 130 Grad Celsius gemessen. Ab 2027 erfolgt die Kontrolle ausschließlich im heißen Zustand. Nikolas Tombazis, Technischer Direktor der FIA, begründete die Entscheidung: „Wir wollen keine Kontroversen. Wir wollen, dass die Menschen auf der Strecke konkurrieren, nicht vor Gericht oder im Kommissarsbüro.“
Der zeitliche Vorteil von Mercedes
Die Herstellung der hochpräzisen internen Komponenten erfordert bis zu 12 Wochen, was eine schnelle Anpassung an die neuen Hitzetests erschwert. Die Budgetobergrenze für Hersteller von Antriebseinheiten, die 2026 eingeführt wird, hemmt zudem die Entwicklung zusätzlicher Einheiten aus rein leistungsbezogenen Gründen. Der Kompromiss lässt Mercedes somit mit einem potenziellen Vorteil in den ersten sieben Rennen einer Saison mit insgesamt 24 Rennen zurück – ein Vorsprung, der sich auf den endgültigen Ausgang der Meisterschaft auswirken könnte.
