Die wichtigsten Fakten

  • Datum und Preis: Vorgestellt am 15. August 1996 zu einem Preis von rund 10.000 finnischen Mark (entspricht heute etwa 2.200 Euro).
  • Technische Daten: QWERTZ-Tastatur, monochromes Display mit 4,5 Zoll, 8 MB internem Speicher, Prozessor mit 33 MHz, Gewicht von fast 400 Gramm.
  • Marktwirkung: Trug 1998 zum Überholen von Motorola bei; Nokia erreichte 2007 einen weltweiten Marktanteil von 40 Prozent – im selben Jahr startete das iPhone, das den Abstieg einleitete.

Der Ausgangspunkt: ein GerĂ€t jenseits aller MaßstĂ€be im Jahr 1996

Am 15. August 1996 bringt Nokia den 9000 Communicator auf den Markt, ein GerĂ€t, das heute rĂŒckwirkend als erstes Smartphone der Geschichte eingeordnet wird – mehr als ein Jahrzehnt vor der Touchscreen-Revolution von Apple. Vorgestellt auf der CeBIT in Hannover im MĂ€rz desselben Jahres, entsteht das GerĂ€t mit einer klaren Zielgruppe: Manager und BerufstĂ€tige, die viel unterwegs sind. Der Werbeslogan "das BĂŒro in der GesĂ€ĂŸtasche" ist keine ĂŒbertriebene Marketingfloskel, sondern eine prĂ€zise Beschreibung der tatsĂ€chlichen FunktionalitĂ€t.



Nokia 9000 Communicator: 30 Jahre erstes Smartphone - Foto 1

Technische Architektur: tausend Bauteile gegen hundert

Der Communicator integriert eine vollstĂ€ndige QWERTZ-Tastatur, ein monochromes Display mit 4,5 Zoll und einer Auflösung von 640×200 Pixeln, 8 MB internen Speicher und einen Prozessor mit 33 MHz. Das GerĂ€t ermöglicht Versand und Empfang von Faxen und E-Mails, Internetzugang ĂŒber ein integriertes Modem, Kalender, Kontakte und Tabellenkalkulation – zu einer Zeit, in der Internetverbindung in BĂŒros noch die Ausnahme, nicht die Regel darstellt.

Die interne KomplexitĂ€t ist der eigentliche Indikator fĂŒr den technologischen Bruch: Der Communicator zĂ€hlt ĂŒber tausend Bauteile, gegenĂŒber den 100 bis 150 typischen Bauteilen zeitgenössischer Telefone. Der Preis dieser konstruktiven Dichte zeigt sich in einem Gewicht von fast 400 Gramm und einer Dicke von vier Zentimetern – Werte, die das GerĂ€t heute vom Markt ausschließen wĂŒrden, die 1996 jedoch die höchste erreichbare Miniaturisierungsstufe darstellten.

Preisbarriere und Marktsegmentierung

Der Listenpreis von rund 10.000 finnischen Mark (entspricht heute etwa 2.200 Euro oder 2.550 US-Dollar) stellt den Communicator auf dieselbe Ebene wie einen Computer der Mittelklasse. In Deutschland erreicht der Preis 2.700 Mark; in Polen, wo das GerĂ€t 1998 eingefĂŒhrt wird, entspricht der Preis mehreren tausend ZƂoty gegenĂŒber einem durchschnittlichen Gehalt von etwa tausend ZƂoty. Diese Preisstruktur begrenzt die Verbreitung auf FĂŒhrungskrĂ€fte und Manager und macht das GerĂ€t zu einem Statussymbol statt zu einem Massenprodukt.



Nokia 9000 Communicator: 30 Jahre erstes Smartphone - Foto 2

Branchenanerkennung und Weiterentwicklung der Plattform

Die Aufmerksamkeit, die der Communicator erzeugt, erreicht auch direkte Konkurrenten: Bill Gates besucht persönlich den Nokia-Stand auf einer Messe in Las Vegas, um das GerĂ€t zu begutachten, und die interne IT-Abteilung von Microsoft erwirbt anschließend eine betrĂ€chtliche Anzahl an Einheiten. Die Klapp-Bauweise wird zur Grundlage der 9000er-Serie, die sich zum leichteren 9110 im Jahr 1999 und zum 9210 im Jahr 2001 mit Farbdisplay weiterentwickelt, bis hin zur Übernahme des Betriebssystems Symbian in den Nachfolgemodellen.

Marktverlauf: vom Überholen zum Absturz

Der Communicator trĂ€gt dazu bei, Nokias dominante Position zu festigen: 1998 ĂŒberholt das Unternehmen Motorola und wird zum weltweit grĂ¶ĂŸten Hersteller von Mobiltelefonen – eine Position, die bis 2012 gehalten wird. Im Jahr 2007 verkauft Nokia 40 Prozent aller weltweit vertriebenen Mobiltelefone. Im selben Jahr kommt jedoch das iPhone auf den Markt, das mit Touchscreen und App-Ökosystem den Standard der Kategorie neu definiert. Nokia produziert weiterhin Smartphones, schafft es aber nicht, den technologischen Vorsprung in eine wettbewerbsfĂ€hige Antwort umzusetzen: veraltete Software, geringere Investitionen in Forschung und eine kostenintensivere Produktionsstruktur fĂŒhren zum Niedergang der Mobilsparte.



Nokia 9000 Communicator: 30 Jahre erstes Smartphone - Foto 3

Ausblick: das Erbe einer vorausschauenden Vision

Heute ist der Nokia 9000 Communicator ein SammlerstĂŒck, das unter anderem in der Dauerausstellung des Museums fĂŒr Kommunikation zu sehen ist. Dreißig Jahre nach seiner EinfĂŒhrung bleibt eines bestehen: die Vorhersagekraft des Projekts. Ein technisch begrenztes, teures und sperriges GerĂ€t hat mit PrĂ€zision das Modell des Taschencomputers vorausgesehen, das heute die digitale Infrastruktur des Alltags prĂ€gt.